CHRONIK ÜBER DAS EVANGELISCHE WAISENHAUS UND DEN TAUERNHOF

(Missionsgemeinschaft der Fackelträger Tauernhof-Schladming)

Am 26. September 1913 kaufte der evangelische Waisenversorgungsverein in Wien die Liegenschaft Coburgstraße 50 von Oberlehrer Hermann Wengert und am 13. März 1914 das benachbarte Grundstück von Ludwig Wittgenstein (Verwandter des berühmten Philosophen), der den Anstoß zu dieser Arbeit gegeben haben soll.

Das Waisenhaus wurde bis zum 15. Mai 1939 unter Verantwortung des evangelischen Vereins geführt und diente unter anderem als Bürgerschule (Hauptschule). Im Krieg wurden die Gebäude gezwungenermaßen in die NS-Volkswohlfahrt eingegliedert und als Kinderheim verwendet.

Nach dem Krieg erhielt der evangelische Waisenversorgungsverein seine Grundstücke wieder zurück. Das Waisenhaus diente sodann als Schwesternwohnheim und Küche für das benachbarte „alte Krankenhaus” in der Coburgstraße. Für wenige Jahre wohnte dort auch Primar Dr. Hans Matz. Die Umgebung rund um den Tauernhof nannte man damals „Alter Markt“.

1961 wurde Peter Wiegand vom Evangelischen Jugendwerk in Graz eingeladen, als Religionslehrer und Jugendwart in die Pfarrgemeinden Schladming, Ramsau und Gröbming tätig zu werden. Er engagierte sich nicht nur in den Schulen, sondern begann Burschenkreise, Jungmännerkreise und Hofabende in unserer Region. Peter Wiegand legte auch den Grundstein für die Arbeit der Fackelträger am Tauernhof, indem er den ersten Pachtvertrag mit dem Evangelischen Waisenversorgungsverein in Wien unterzeichnete. Er und seine Frau Runhild entschieden sich jedoch 1964 nach Oberösterreich zu gehen und bauten dort das heutige „Schloß Klaus“ auf.

1963 kehrte der in Ramsau geborene Gernot Kunzelmann in seine Heimat zurück. Gernot war ein Enkel des Ramsauer Pfarrers Karl Günther. Als 14-jähriger reiste er mit Major Ian Thomas, dem Gründer der Fackelträger Bewegung, nach England. Gernot maturierte in England, arbeitete dann ein Jahr als Erzieher in Wien, bevor er ein 6-jähriges Theologiestudium in Toronto/Kanada absolvierte. Nach ca. 10 Jahren Auslandsaufenthalt heiratete er 1963 seine Frau Gertrud geb. Vitzthum. Gernot übernahm die Dienste von Peter Wiegand als Religionslehrer und Jugendwart und begann im Jahr 1963 den damals sehr baufällig gewordenen „Tauernhof“ aufzubauen. Es gelang ihm durch die Verbindung von Sport und Glaube eine Stätte der internationalen, christlichen Begegnung aufzubauen. Gernot Kunzelmann leitete auch über viele Jahre den evangelischen Kirchenchor in Schladming und hatte maßgeblichen Anteil am Aufbau der pfarrgemeindlichen Jugendarbeit und dem „Schladminger Jugendtag“.
Im Juli 1988, kurz nach ihrem 25. Hochzeitstag, verunglückte Gernot Kunzelmann tödlich bei einem Paragleiter-Unfall am Rittisberg in der Ramsau.

1991 wurde der Ramsauer Hans-Peter Royer zu seinem Nachfolger bestellt. Er ist Gemeindevertreter in seiner Evangelischen Kirche in Ramsau am Dachstein und neben der Leitung des Tauernhofes engagierter Prediger auf Konferenzen, Bibelschulen und Kirchentagen. Durch seine hauptberufliche Tätigkeit als Berg- und Schiführer, Schilehrer und Höhlenführer gelang es ihm die Verbindung von Sport und Glaube weiter auszubauen und entwickelte die “Christuszentrierte Erlebnispädagogik”. Ausbildungen in diese Richtung, präventive Jugendarbeit und Zurüstung junger Menschen für die Gemeinde Jesu Christi weltweit sind Schwerpunkte der Arbeit am Tauernhof. Hans Peter Royer hat sechs Bücher geschrieben und war stellvertretender Leiter von „Fackelträger International“. Unter seiner Leitung hat sich der Tauernhof um drei Gebäude vergrößert wodurch etwa 80 Gäste Platz finden.
Am 17. August 2013 verunglückte Hans Peter Royer beim Gleitschirmfliegen in der Ramsau tödlich.

Martin Buchsteiner (wohnhaft in 8967 Haus) wurde am 14. September 2013 als sein Nachfolger zum Direktor bestellt und am 8. Dezember 2013 in der evang. Kirche Schladming eingesegnet.

Die Missionsgemeinschaft der Fackelträger umfasst mittlerweile 25 Zentren weltweit. Zwei davon sind in Österreich – Schloß Klaus in Oberösterreich und der Tauernhof in Schladming. Seit 1991 ist der Tauernhof ein eingetragener, evangelisch-kirchlicher Verein. Die Arbeit an sich ist jedoch überkonfessionell, das heißt, nicht an eine bestimmte Konfession gebunden. Wir sind auch keine Kirche, sondern sehen unseren Auftrag darin, durch Schulungen, Freizeiten und Kurse Christen aller Konfessionen auszubilden und zuzurüsten für den Dienst in der weltweiten Gemeinde Jesu Christi.
Unser Team von etwa 14 vollzeitlich Angestellten wird durch einige praktizierende Studenten (Praktikanten) unterstützt.
Der Tauernhof will ein Ort sein, wo vor allem junge Menschen Orientierung, Hilfestellung und Zurüstung für ihr Leben erfahren. Unsere Kurzbibelschulen (Frühjahr und Herbst) sind international und werden in englischer Sprache abgehalten. Die Bibelschüler haben neben dem täglichen Unterricht die Möglichkeit Einsätze in Schulen, Altersheim, Krankenhaus und Kirchengemeinden zu gestalten. Die Sommer- und Winterfreizeiten sind meinst einwöchig und werden in Deutsch abgehalten. Wir haben sehr gute Beziehungen zu den umliegenden Kirchengemeinden und freuen uns darüber, dass der Tauernhof zunehmend auch ein Ort für Einheimische geworden ist.

Bauliche Maßnahmen:
• 1995 entstand das neue „Tauernhof Chalet“ im Garten
• 2000 wurde das alte Vortragsgebäude (rotes Haus) abgerissen und neu aufgebaut.
• 2005 errichtete man die Rezeption mit einem christlichen Buchladen.
• 2007 kaufte der Verein das sogenannte „Rainerhaus“ (Rechtsanwalt Dr. Rainer kaufte dieses Haus im Jahr ?).
• 2011 wurde das Tauernhof Chalet um einen Stock erweitert.
• 2012 errichtete man den Kletterturm hinter dem Chalet (dieser „Hopsi-Kletterturm“ stand davor am Fuße der Wirtsleiten, musste jedoch wegen der Schi-WM 2013 entfernt werden) und wurde der Wintergarten/Chalet errichtet.
• Im Sommer 2013 wurde der mittlere Speisesaal erneuert.